Das Unerwartete erwarten
Im scheinbar Widersprüchlichen liegt das Spannende
um Franz Liszt, Lutz Görner und Elena Nesterenko
Erwarte das Unerwartete: Franz Liszt, Jahrhundertgenie und früher „Popstar“, den es nach Weisen dürstet, „die für das Volk gedichtet, dem Volke gelehrt und vom Volke gesungen werden“ und der von einem Paganinikonzert dazu inspiriert wird, Klavierstücke zu schreiben, die nur er und seine Schüler spielen können. Der vor Fürsten und Grafen spielt, sich in Samt und Seide kleidet und die Architekten auffordert, „zweckmäßig eingerichtete und gut zu lüftende Wohnungen zu ermöglichen an Stelle der feuchten, engen, dunklen und ungesunden Wohnungen, in denen eine ungeheure Masse von Arbeitern leben muss. Ja, alle sozialen Einrichtungen müssen die sittliche und materielle Hebung der zahlreichsten und ärmsten Klasse zum Zweck haben.“
Leben in Saus und Braus
Franz Liszt, der während seiner gefeierten Konzerttätigkeit ein ausschweifendes Leben in „Saus und Braus“ führt, mit zahlreichen Affären und allerlei Berauschendem: „Chinin, Opium, Zigarren und Cognac helfen, die Maschine in Gang zu halten.“ In dessen Pass steht: „Durch Berühmtheit hinlänglich bekannt.“ Franz Liszt, der sein Leben völlig umkrempelt, sich mit 37 Jahren nur noch einer Frau widmet und sogar im Vatikan als Geistlicher die niederen Weihen empfängt.
Franz Liszt, der jegliche musikalischen Einflüsse – von Bach, Beethoven und Mozart über Berlioz, Chopin bis zu Wagner und Richard Strauss – aufsog wie ein Schwamm und sich von keinen Grenzen aufhalten ließ, diese bis hin zur Atonalität durchbrach, ohne sich um kritische Äußerungen zu kümmern: „Er schreibt die hässlichste aller existierender Musik. Ebenso anmaßend wie bizarr. Musikalische Hurerei. Weimarer Pest.“ Kompositionen, die längst die Zeit überdauert haben, über die heute Fachleute völlig gegensätzlich urteilen: „Die wichtigste, originellste, gewaltigste und intelligenteste Sonatenkomposition nach Beethoven und Schubert. Ein Werk absoluter Musik.“
Lutz Görner, der als Kind im Dunkeln auf dem Teppich liegt und im Radio Opern hört, der als Jugendlicher Dritter im Fünfkampf auf den Deutschen Meisterschaften wird und der bei Peter Schnitzler in Aachen im Ballet mittanzt. Lutz Görner, der als Rezitator und Biograph von Dichtern wie Goethe, Schiller und Heine erfolgreich ist, aber keine Lust hat, „eine Sache, die ich schon einmal gemacht habe, noch mal zu machen“. Weil er ja schon alles mitgeteilt hat, was er über einen Dichter herausbekommen hat. „Jetzt versuche ich, den Menschen die Musik näher zu bringen.“
Elena Nesterenko, ehrgeiziges Einzelkind von zwei Ingenieuren in Moskau, die in ihrer Altersklasse mit zehn Jahren sowjetische Meisterin im Eiskunstlauf wurde. Als sie ein Klavier bekommt, übt sie den ganzen Tag, geht mit 16 Jahren auf ein Musikgymnasium, drei Jahre darauf auf das Tschaikowski-Konservatorium, einer der berühmtesten Musikschulen der Welt. Dann kommt die Perestroika, sie geht in die Niederlande und später nach München, macht dort ihr Konzertexamen.
Auch heutzutage können nicht alle Leute Liszt-Stücke spielen. Elena Nesterenko kann. Anderthalb Stunden Liszt, im Programm kommt sogar die h-Moll-Sonate vor, 31 Minuten lang. Ein Easy-Listening-Programm ist es nicht.
Den 200. Geburtstag des Jahrhundertgenies Franz Liszt feiern Wortinterpret Lutz Görner und Pianistin Elena Nesterenko ab 15. September 2011 mit Auftritten in 29 Städten bundesweit.
Die Karten kosten 24 Euro ggf. zuzüglich Vorverkaufsgebühr, an der Abendkasse
28 Euro. Reservierungen und den Tourneeplan finden Sie auf der Website des Rezitators unter www.lutzgoerner.de.